Genderwahnsinn und Frauenquote

Für Blogartikel sind die jeweils benannten Autoren allein verantwortlich.
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Ein Blogeintrag von Dr. Rüdiger Werner.

Um es vorweg deutlich zu sagen: sowohl ich als auch meine Partei sind liberal und tolerant, wir sind bedingungslos für die Gleichberechtigung von Frau und Mann, wir haben keine Ressentiments gegenüber sog. Diversen (ganz unterschiedlichen Personen, die sich weder eindeutig als Mann oder Frau klassifizieren lassen), wir waren als erste Partei offen für die sog. Homoehe, uns ist es egal, wer wen liebt, welcher Volksgruppe und welchem Geschlecht jemand angehört – es sind alles Menschen, die die gleichen Rechte und die gleichen Chancen haben sollten und den gleichen Respekt verdient haben.
 Und trotzdem werde ich hier ein deutliches persönliches Statement ablegen, dass in unserer Gesellschaft bei diesen Themen etwas sichtbar falsch läuft – besonders befördert durch ein linkes Establishment.

Verhunzung der deutschen Sprache
 
Die deutsche Sprache ist ein über die Jahrhunderte gewachsenes Kulturgut, das es wert ist, geschützt zu werden. Das heißt, jede Veränderung sollte gut überlegt sein. Ich will jetzt nicht über Rechtschreibreformen diskutieren, sondern ein Veto einlegen gegen die Entmannung der deutschen Sprache und gegen immer verrücktere Ideen, eine geschlechterneutrale Sprache darzustellen.
 
Ja, es ist richtig, in vielen Bereichen ist die deutsche Sprache patriarchisch, der männliche Terminus überwiegt. Aber mal ehrlich nachgefragt: ist das wirklich so schlimm? Wenn irgendwo steht, eine Universität hat 30.000 Studenten, ist das doch eine klare und verständliche Aussage. Niemand käme auf die Idee, dass hiermit nur die männlichen Studierenden gemeint sind und die weiblichen ausgenommen sind. Irgendwann auf Druck von Feministinnen hat es sich in der Behördensprache eingebürgert z.B. von Studenten und Studentinnen, von Schülern und Schülerinnen, von Sportlern und Sportlerinnen zu sprechen. Auch wenn ich das für das Verständnis einer Aussage für unnötig halte, kann ich damit noch leben, weil dies alles Wörter der deutschen Sprache sind und der Lesefluss gewahrt bleibt. Als auffiel, dass dies noch viel mehr Wörter betraf als anfangs gedacht, ging der Trend dann zu Abkürzungen und Verkürzungen. Der versale Mittelbuchstabe wurde eingeführt, eine furchtbare Konstruktion, die das Wortbild empfindlich stört. Da stand dann etwas von LeserInnen, TänzerInnen oder gar FreundIn. Als Alternative zum Binnen-I gibt es den Schrägstrich oder den Unterstrich, die allesamt nicht besser sind. Leser/Innen, Leser/innen oder Leser_Innen. Es kommt aber noch schräger. Neuerdings sind Gendersternchen angesagt. Der Stern ist das Symbol, das bei der Datenbankabfrage verwendet wird, um zu kennzeichnen, dass alle Wortformen mit beliebigen anschließenden Buchstaben und Zeichenketten bei der Suche mit berücksichtigt werden – also sozusagen Diversität auf Wortebene ermöglicht. Merkt den keine*r der Leser*innen, wie grausam das ist? Lesen Sie mal einen Text auf der Homepage der Bündnisgrünen www.gruene.de und Sie sehen hoffentlich, wie furchtbar das ist.

Beispiele

„Das Vielfalts-Statut schafft strukturelle Änderungen gegen strukturelle Diskriminierung und sorgt für Diversität innerhalb der Partei. Es beinhaltet einen Vielfalts-Kongress, der alle zwei Jahre stattfindet, eine*n Vielfaltsreferenten*in in der Bundesgeschäftsstelle sowie den Einsatz eines Diversitätsrats. … Das Statut sorgt dafür, dass die Repräsentation von diskriminierten Gruppen in der Partei verbessert wird. Um den Prozess fortlaufend zu begleiten und zu überprüfen, soll ein Mitglied des Bundesvorstands als vielfaltspolitische Sprecher*in gewählt werden.“
„166 Straßen in Jena sind nach Männern benannt, und gerade mal 17 Straßen nach Frauen, also nur 1,7 % der Gesamtanzahl der Straßen! Dass das viel zu wenig ist und überhaupt nichts mit der Realität zu tun hat, merkt wirklich jede*r.“

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Viele Personen der schreibenden Zunft sehen das innerlich ähnlich wie ich, trauen sich aber nicht, offen gegen diesen in weiten Teilen von der linken Elite eingeführten Unsinn zu rebellieren. Deshalb wird das Problem durch Versachlichung umschifft. Da werden aus Studenten „Studierende“, aus Schülern „Zubeschulende“, aus Mitarbeitern „Mitarbeitende“, aus Fußballern „Fußballspielende“. Mit ein bisschen Phantasie lässt sich jedes maskuline Nomen versachlichen. Keine Sternchen und Unterstriche – ja!, aber was machen diese Wortschöpfungsungetüme aus unserer Sprache?
 
Liebe schreibende Zunft, bleibt standhaft, schützt unsere gute, alte Schriftsprache, macht diesen Genderwahnsinn nicht mit! Ich z.B. weigere mich einen Text lesen, wo in jedem 10. Wort ein Sternchen steht.
 
Bei meinen Blogs, Pressemeldungen oder sonstigen Veröffentlichungen werden Sie diesen Unsinn jedenfalls nicht finden. Ich bleibe bei der klassischen deutschen Sprache, bei der Frauen bei maskulinen Termen psychologisch und gesellschaftlich immer mitgemeint sind. Ich bin der festen Überzeugung, dass die heutigen Frauen – anders als noch vor 50 Jahren – so emanzipiert sind und ihre Gleichstellung eine solche Selbstverständlichkeit ist, dass sie es weder nötig haben, dass man für Sie die Sprache verballhornt und dass sie das auch selbst gar nicht wollen. Ich habe bei diversen Frauen in meinem Bekanntenkreis nachgefragt – keine fühlt sich durch die alte Schreibregelung sprachlich diskriminiert und keine einzige findet die Verhunzung der deutschen Schriftsprache gut. Das ist sicher keine repräsentative Umfrage gewesen, aber sie zeigt eine so deutliche Tendenz, dass ich der Überzeugung bin, dass es bei allen Geschlechterklassen eine deutliche Mehrheit gegen diesen Genderwahn gibt.
 
Genauso ist es für eine fast 100%ige Mehrheit total lächerlich, auch nur darüber nachzudenken, neben ♀, ♂ und ♿ noch eine 4. Art von öffentlichen Toiletten vorzuschreiben. Egal ob weiblich, transgender, transsexuell, intergender, XY-Frau oder zweigeschlechtlich – eine abschließbare Kabine diskriminiert niemanden, ist ausreichend und sowohl auf dem Herren- und dem Damen-Klo vorhanden!
 
Es war wichtig und richtig, dass es in den 70er Jahren eine Frauenbewegung gab, dass Feministinnen ihre Stimme erhoben haben und Lobbyismus für die Gleichstellung des weiblichen Geschlechts betrieben haben, die damals sicherlich noch nicht vollständig gegeben war. Aber ist dies heute in dieser Form wirklich noch nötig? Muss man sich als Mann nicht langsam diskriminiert vorkommen? Es gibt noch nicht einmal einen männlichen Gegenpart zu Feminismus oder haben Sie schon mal etwas von Maskulinismus gehört?
Diese fortwährende Übertreibung ist auch Gegenstand des 2. Themas dieses Blogs.

Frauenquote
 
Wenn ich das Wort schon höre, bekomme ich Pickel!
Warum sollten Führungsgremien von Unternehmen und Parteien nach irgendwelchen Proporzen besetzt werden? Sollten nicht Leistung und Kompetenz die entscheidenden Kriterien sein? Dabei ist es völlig egal, nach welchen Proporzen besetzt werden soll. Die Linke mit ökologischem Feigenblatt (genannt Grüne), die normale Linke (genannt SPD) und die besonders Linken (genannt Die Linken) haben auf diversen Parteitagen und in vielen Bundesländern mit Machtbeteiligung beschlossen, Wählerlisten und Vorstandsämter paritätisch mit Frauen und Männern zu besetzen. Warum gerade das Geschlecht als Proporz? Warum nicht die Religionszugehörigkeit? Sollte nicht auch die die Bevölkerung abbilden? Oder das Alter? Die regionale Herkunft? Braucht nicht jedes Alter und jede Region ihre Vertreter? Man könnte das verfeinern und fordern: auch der Body-Mass-Index, die Zahl der Klassik- und Rockmusikhörer, die Zahl der Bayern- oder Dortmund-Fans sollte den Bevölkerungsdurchschnitt repräsentieren.
 
WARUM?!?
Sicher wäre es schön, wenn die Parlamente oder die Wahllisten die Bevölkerung repräsentativ widerspiegeln. Bei gleicher Qualifikation sollten dies durchaus Kriterien sein (die erstgenannten mehr als die letztgenannten), aber das wichtigste und entscheidende Kriterium muss immer die Leistung und die Kompetenz sein, in der Politik wie in der Wirtschaft!
 
Es gibt eine schöne schon etwas ältere Karikatur, die das wunderschön ausdrückt, die ich aus rechtlichen Gründen aber nicht zeigen, sondern nur beschreiben kann: ein ovaler Konferenztisch, daran lauter Herren mit Anzug und Krawatte, darüber das Schild Vorstand. Am Kopfende sitzt hinter einem Schild mit der Aufschrift CEO eine alte Frau, die genauso aussieht wie Else Kling aus der Lindenstraße. Zwei der Herren unterhalten sich leise, in der Sprechblase steht: „Sie war die einzige, die sich den Job zugetraut hat und wir müssen ja die neue Quotenregelung einhalten…“
 
Ja, natürlich wäre es schön und wichtig, wenn es mehr Frauen in Führungspositionen der Wirtschaft gäbe, aber das kann man doch nicht mit einer Quote erzwingen! Wenn es in vielen Bereichen nun mal deutlich mehr männliche als weibliche Personen gibt, die aufgrund von Qualifikation und Leistung für Führungspositionen geeignet sind, dann muss man das akzeptieren und darf nicht per Quote die Leistungsgesellschaft außer Kraft setzen! Wie soll z.B. ein Chemie-, Maschinenbau oder Elektrotechnikkonzern eine Frauenquote erfüllen, wenn Frauen in diesen Studiengängen weiterhin in der deutlichen Minderheit sind (Chemie ca. 30 %, Physik ca. 20 %, Informatik ca. 17 %, Elektrotechnik ca. 12 %, Maschinenbau ca. 8 %, aktuelle Zahlen aus Hessen)? Die Frauen, die dabei bleiben, haben heute genauso gute Karrierechancen wie Männer, aber warum sollen in den Vorständen und Aufsichtsräten prozentual viel mehr Frauen sitzen als bei den leitenden Angestellten?
 
Ein gesellschaftliches Problem ist sicherlich die in Deutschland noch immer mehrheitlich der Frau zugewiesene Rolle der Kindererziehung. Setzt die Frau deswegen mehrere Jahre beruflich aus oder geht in Teilzeit, sinken in der Tat ihre Karrierechancen. Dies haben viele unserer insbesondere nördlichen und westlichen Nachbarländer seit Jahrzehnten weit besser gelöst. Hier muss man politisch wie gesellschaftlich ansetzen. Es kann nicht sein, dass die Kinderzahl in Deutschland bei Akademikerfrauen bei unter 1 liegt, bei Hartz 4-Empfängerinnen aber bei über 1,8 und bei Hartz 4-Empfängerinnen mit Migrationshintergrund bei deutlich über 2 (Durchschnitt 2019: 1,57). Ein Mann darf nicht als schwach angesehen werden, wenn er in Elternzeit geht, wenn er in der prägenden Erziehungszeit nur Teilzeit arbeitet. Das darf weder bei ihm noch bei den Frauen einen Einfluss auf die Karrierechancen haben. Hier muss daran gearbeitet werden, die Überbleibsel des veralteten Rollenbildes endgültig zu beseitigen. Eine Quote ändert daran gar nichts, im Gegenteil, sie diskriminiert leistungsstarke Männer.

Warum spricht man eigentlich immer nur von unterrepräsentierten Frauen und nie von unterrepräsentierten Männern? Studieren Sie als Mann mal Innenarchitektur, Sozialwissenschaften oder Grundschullehramt! Wäre es nicht ein wichtiges Ziel, wenn die Zahl von Lehrer*innen und Sozialarbeiter*innen (das musste jetzt sein) paritätisch wäre? Gibt es nicht diverse Studien, die zeigen, dass männliche Lehrer und Sozialarbeiter von den Zielgruppen mehr respektiert werden und ein höheres Ansehen genießen, dass sie daher im Schnitt größere Erfolge aufweisen können? Warum fordern die linken Parteien dann nicht z.B. eine Männerquote in Schulen?
„Das könne man nicht machen, es gäbe zu wenige Bewerber, dann könnte man den Unterricht nicht mehr organisieren!“, wären die Argumente. Aha! Und bei Frauen gelten diese Argumente nicht? Hier spielt das alles keine Rolle?
 
In der Politik sieht die Sache noch mal anders aus. Ja, natürlich wäre es schön, wenn sich genauso viele Frauen wie Männer in der Politik engagieren würden und dies auch in den Führungsgremien widergespiegelt werden würde. Da hat doch niemand etwas dagegen, ich schon gar nicht. Aber was ist, wenn in den verschiedenen politischen Parteien Frauen unterschiedlich präsentiert sind? Parteien sprechen unterschiedliche Zielgruppen an. Was ist, wenn auch in den Zielgruppen Frauen unterrepräsentiert sind? Trotzdem starr 50/50?
Schaut man sich die Mitgliederlisten der wichtigsten Parteien in Deutschland an, stellt man fest, dass Politik wie Maschinenbau und Elektrotechnik noch immer eine Männerbastion ist. Bei keiner der 7 wichtigsten Parteien sind die Frauen in der Mehrheit, der Anteil bei den Mitgliedern schwankt zwischen 17 % (AfD) und 40 % (Grüne), CDU, CSU und FDP liegen zwischen 20 und 26 %, SPD und Linke bei 33 und 36 %. In den Führungsgremien (Bundesvorstand, Präsidium etc.) sieht das anders aus, dort sind die Frauenanteile überall höher (SPD: 20 von 37, Linke: 20 von 42, Grüne: 11 von 19, CSU: 17 von 42, CDU: 16 von 50, FDP: 14 von 48, AfD: 3 von 14), z.T. deutlich höher als es dem Mitgliederanteil entspricht. Frauen sind – bezogen auf die Mitglieder – schon heute überrepräsentiert, auch bei den Parteien ohne Quote. Frauen stehen in den Parteien die Türen offen, bei gleicher Qualifikation haben sie schon heute bessere Chancen als ihre männlichen Kollegen. Solange das freiwillig geschieht und mit dem Hintergedanken, mehr Frauen für Politik zu interessieren, habe ich hier gar nichts dagegen.

Jedem Bürger steht es frei, sich politisch zu engagieren und in eine Partei einzutreten bzw. eine Partei durch seine Mitgliedschaft zu unterstützen. Das machen weiterhin deutlich mehr Männer als Frauen. Das bedeutet für mich, dass die Bereitschaft zu politischen Engagement bei Frauen geringer ist als bei Männern, vielleicht ist sogar das generelle Interesse geringer. Es scheint viele Frauen zu geben, die überhaupt kein Problem damit haben, dass in der Politik mehr Männer das Sagen haben (solange diese es einigermaßen gut machen …). Warum muss man sie also zu ihrem vermeidlichen Glück zwingen?
 
Politik ist keine Männerdomäne per se, Frauen sind nach meinen Erfahrungen in allen Parteien willkommen. Wenn man paritätische Führungsgremium habe möchte, sollte man sich fragen, warum weniger Frauen als Männer dieses Angebot der politischen Teilhabe annehmen. Man sollte verstärkt um die Mitarbeit des weiblichen Teils der Bevölkerung werben. „Wenn du etwas verändern willst, komm zu uns und mach mit!“ Vorbilder gibt es in Deutschland genügend, schließlich haben wir seit 15 Jahren eine Bundeskanzlerin (ganz ohne *).
 
Aber die Forderungen der Linken gehen ja noch weiter, die Quote soll ja auch für die Wahllisten gelten und zwar nicht nur für die der eigenen Partei (was diese natürlich beschließen kann, auch wenn ich es für nicht gerecht halte), sondern für alle Parteien und Wählervereinigungen, die an den Wahlen teilnehmen wollen. Hier sollen vordergründig für eine Quote alle Grundsätze von Fairness und Chancengleichheit über Bord geworfen werden, hintergründig schädigen solche Vorstöße vor allem die politischen Gegner in der Mitte und im rechten Teil des Spektrums. Auf Landes- oder Bundesebene hätte das zur Folge, dass viele fähige und qualifizierte Männer nicht mehr zur Wahl stehen würden, weil ihre Plätze von weniger qualifizierten Frauen eingenommen werden müssen (ich sage nicht, dass Männer prinzipiell qualifizierter sind als Frauen. Ich sage nur, dass wenn ich aus einem Pool aus 80 Männern und 20 Frauen jeweils 10 auswählen muss, dann ist die Wahrscheinlichkeit sehr hoch, dass einige der ausgewählten Frauen weniger qualifiziert sind als einige der nicht ausgewählten Männer). Da bei den linken Parteien die prozentuale Auswahl an Frauen höher ist, ist bei ihnen dieser „freiwillige Qualitätsverlust“ weniger gravierend als bei den liberalen, christlichen und rechten Parteien (wobei mir natürlich bewusst ist, dass es bei parteiinternen Wahlen selten um Fähigkeiten und Kompetenzen geht, sondern oftmals um Proporz und Netzwerke und letztendlich um Macht).
 
Bei Wahlen zu kleineren Parlamenten geht es bei Einführung von Quoten dagegen nicht um einen Qualitätsverlust, sondern um die nackte Existenz. Es ist nämlich nicht so, dass die Kandidaten für Kommunal- und Kreisparlamente Schlange stehen. In den meisten Fällen ist es nicht einfach und mit sehr viel Überredungskunst verbunden, überhaupt eine Liste für ein solches Parlament (bzw. eine Stadtverordnetenversammlung, einen Stadt- oder Gemeinderat) zu erstellen, d.h. genügend Personen zu finden, die bereit sind, für eine Partei zu kandidieren. Noch schwieriger ist es, Personen zu finden, die dazu auch bereit wären, tatsächlich ein politisches Amt zu übernehmen. Wir als FDP Rödermark – aber ich glaube, da spreche ich für jede Partei – sind froh um jede Person mit den gleichen Grundeinstellungen, die bereit ist, für uns für ein politisches Amt zu kandidieren und bestenfalls neu in die Partei eintreten (dies gilt übrigens auch für die anstehende Kommunalwahl 2021. Wer liberale Grundzüge sein eigen nennt und sich mehr als bisher einbringen möchte, ist bei uns herzlich willkommen. Es sind noch Plätze auf der Kommunalwahlliste frei. Dies gilt auch für Personen ohne Parteimitgliedschaft). Leider sind nur 20 % unserer Mitglieder weiblich (auch Personen mit Migrationshintergrund sind zu unserem Leidwesen unterrepräsentiert), so dass wir bei einer Quotenregelung eine so stark verkürzte Liste abgeben müssten, dass bei einem guten Wahlergebnis nicht alle Sitze besetzt werden könnten. Und das nicht, weil wir keine Frauen aufstellen wollen, sondern weil es schlichtweg nicht genügend weibliche Personen gibt, die bereit wären, sich aufstellen zu lassen! Daher ist eine solche Quotenregelung mit keinem politischen Grundsatz vereinbar und widerspricht dem Grundgesetz.
 
Ich tue jetzt etwas, was mich sicherlich politische Reputation kostet, aber es gehört einfach an diese Stelle: ich lobe die AfD! Es war nämlich die AfD und leider nicht die FDP, die gegen eine solche Frauenquote geklagt hat und natürlich recht bekommen hat. Weitere Klagen werden (hoffentlich mit gleichem Ausgang) folgen.
 
Einschub: Es kann nicht sein, dass Politiker in die rechte Ecke gestellt werden, nur weil er in wenigen Punkten eine Auffassung vertritt, die auch von der AfD vertreten wird. Ich vertrete in den meisten und dabei vielen wesentlichen Punkten eine konträre Auffassung zur AfD, die AfD ist mir genauso fern wie Die Linke, aber es gibt auch Punkte, wo man einfach sagen muss: wo sie recht hat, hat sie recht. Nur tut dies kaum einer, weil er dafür in der Regel öffentlich abgestraft wird. Doch wohin führt das?
 
Ich habe das Gefühl, dass bei vielen Abstimmungen viele Politiker (m/w/d) gegen ihre eigene Grundüberzeugung abstimmen, um bloß nicht mit der AfD abzustimmen. Lieber stimmt man z.B. linken Positionen zu, als sich diese Blöße zu geben. Übrig bleibt in der Öffentlichkeit der Eindruck, dass nur die AfD diese Position vertritt, die eigentlich sowohl in der Bevölkerung als auch bei den Parteimitgliedern eine klare Mehrheit hätte. Die Parteien sollten sich fragen, ob nicht dieses kindische Verhalten ein wesentlicher Grund ist, warum die AfD in der Wählergunst so stark ist, wie sie ist.

 
Fazit: Nach meinem Empfinden ist eine Frauenquote in der Politik nicht mit unseren demokratischen Grundsätzen vereinbar. Wir haben wahrlich weit wichtigere und für alle weitaus spürbarere Probleme, um die wir uns kümmern müssen, als um Frauenquoten.
 
By the way: Wann führt eigentlich die erste Partei eine Diverse-Quote ein? Frau Göring-Eckardt, wäre das nicht etwas für Sie?
 
Abschließend nochmal kurz zurück zum Genderwahn: Ist es wirklich im Sinne der Menschen, die einem der mittlerweile über 50 Gendertypen zwischen männlich und weiblich zuzuordnen sind, dass sie z.B. bei öffentlichen Stellenausschreibungen erwähnt werden müssen, dass dort z.B. steht Account Manager (w, m, d) gesucht? Ist es wirklich diskriminierend, wenn man eine Minderheit nicht explizit erwähnt? Sollte bei einer Stellenausschreibung nicht die Fähigkeiten des Bewerbers, das Passen in das Anforderungsprofil der Stelle ausschlaggebend sein? Und ist dieses nicht völlig unabhängig vom Geschlecht? Sollte dies nicht so selbstverständlich sein, dass man bei Stellenangeboten das Geschlecht komplett weglassen kann?
 
Das sollte unser Ziel sein. Und dieses Ziel ist bestimmt nicht mit irgendwelchen Quoten und Vergewaltigungen der Schriftsprache erreichbar.

Dr. Rüdiger Werner
20. Juli 2020

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